Fleischersatzprodukte als gesunde Alternative?
- Phillip Beranek

- 21. Nov. 2023
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Nov. 2023
Sind Fleischersatzprodukte eine gesunde Alternative?
Fleischersatzprodukte erobern mehr und mehr die Supermarktregale. Kein ungesundes Fleisch essen und trotzdem nicht auf das saftige Schnitzel oder den Burger verzichten, so das Versprechen. Aber welche Inhaltsstoffe sind überhaupt in Fleischersatzprodukten und wie gesund sind sie wirklich im Vergleich zu ihren fleischlichen Gegenspielern?
Geformt wie ein leckeres Schnitzel, in goldener Panade und präsentiert in gesundheitsgrüner Verpackung. So sieht der Blick in viele Kühlregale im Supermarkt mittlerweile aus. Tofu und Seitan sind, neben Erbsen, die Ersatzprodukte mit den größten Marktanteilen. Tofu wird aus der Sojabohne gewonnen, wohingegen Seitan nichts anderes ist als Weizeneiweiß - also Gluten. Um Fleischersatzprodukte herzustellen, werden die Rohstoffe zerkleinert und konzentriert, um sie danach mit Wasser und Öl in die gewünschte Form zu bringen.
Noch liegt der Marktanteil der Ersatzprodukte bei rund 3%. Allein im Jahr 2021 wurden aber bereits 98.000 Tonnen an Fleischersatz hergestellt; eine Steigerung zum Vorjahr von gut 17%. Die Entwicklung ist also durchaus rasant.
Der Fleischkonum der Deutschen übersteigt mit über einem Kilogramm pro Woche alle Empfehlungen deutlich. Der Grundgedanke, den Verzehr von Fleisch einzuschränken, ist also für einen Großteil der Bevölkerung absolut angemessen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 300-600 Gramm Fleisch pro Woche. Besonders hoch verarbeitete Produkte, wie Wurstwaren und Aufschnitt, sollten vermieden werden.
Besonders unter diesem Gesichtspunkt sollte klar sein: Ein Burger Patty lässt sich nicht aus einer Sojabohne schneiden und egal wie amerikanisch die Verpackung aussieht, die Sojabohne wird nicht von Natur aus nach Rindfleisch schmecken.
Fleischersatzprodukte sind in den meisten Fällen höchst verarbeitete Produkte.
Die Rohstoffe wie Soja, Gluten oder Erbsen sind an sich qualitativ sehr hochwertige Proteinquellen. Sie enthalten meist einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren was sie, besonders im direkten Vergleich zu Fleisch, deutlich besser abschneiden lässt. Aus umweltbewusster Sicht punkten Fleischersatzprodukte deutlich gegenüber Fleisch. Der Wasserverbraucht beträgt pro hergestelltem Kilogramm Produkt knapp die Hälte, der CO2-Ausstoss des gesamten Prozessen beträgt nur einen Bruchteil.
Auf dem Weg zum fertigen Ersatzprodukt erhalten die Ausgangsstoffe aber viele Zusätze und werden häufig mit Geschmacksverstärkern, Konservierungsstoffen, Verdickungsmitteln und Antioxidationsmitteln versetzt, um haltbar, in Form und mit dem gewünschten Geschmack in den Handel gebracht zu werden.
Besonders der hohe Salzgehalt ist bei vielen Produkten kritisch zu betrachten. Empfohlen werden für einen erwachsenen Menschen nicht viel mehr als 5 Gramm Salz am Tag. Viele Fleischersatzprodukte weisen auf 100 Gramm fertigem Produkt schon 1-2 Gramm Salz auf. Genau wie Salz, wird auch Öl als Zusatz gebraucht, um den Geschmack der Produkte auf natürliche Weise zu verstärken. So kann der Anteil von Fett in manchen Produkten 10%-20% betragen. Durch den zusätzlichen Einsatz von Zucker können so also auch die Ersatzstoffe insgesamt einiges an Energie, also Kalorien, mitbringen.
Die Berliner Verbraucherzentrale hat sich 2017 und 2022 mit Fleischersatzprodukten beschäftig und festgestellt, dass die Hersteller an vielen der festgestellten Mängel arbeiten und sich die Zusätze von Salz, Zucker und künstlichen Geschmacksverstärkern stetig reduzieren. Den Link zum aktuellen Marktcheck der Verbraucherzentrale findet ihr unter dem Artikel.
Pauschal ist die Frage, ob Fleischersatzprodukte gesund sind, also nicht so einfach zu beantworten. Klar ist, den Fleischkonsum einzuschränken tut vielen von uns gut.
Dabei können Fleischersatzprodukte in mäßigem Verzehr durchaus eine gute und gesunde Hilfe sein.
Im direkten Vergleich zu Fleisch, schneiden Ersatzprodukte gut ab. Pauschal ganzheitlich „gesund“ sind solche Produkte aber nicht. Sie sind hoch verarbeitet und enthalten viele zugesetzte Inhaltsstoffe.
Meist grüne und fast familiäre Verpackung und Vermarktung sugerieren ein in Gänze gesundes Image der Produkte. Man darf niemals vergessen, dass Hersteller solche Produkte in den seltensten Fällen aus Nächstenliebe so aussehen lassen, wie sie es tun. Sie tun es weil es gut ankommt und somit gekauft wird. So gesund ein Produkt auch wirkt, es bleibt Teil einer wirtschatlichen Industrie.
Man sollte sich also immer die Inhaltsstoffe der Produkte genau anschauen. Welche Stoffe sind enthalten? Wie viel Fett, Salz und Zucker sind im Produkt? Je kürzer die Liste der Inhaltsstoffe grundsätzlich ist, desto besser und natürlicher. Die Verbraucherzentrale empfiehlt auch Fleischersatzprodukte auf 1-2 Portionen pro Woche zu begrenzen.
Nutzen wir sie also in Maßen und betrachten sie, wie klassisches Fleisch auch, als Genussmittel statt alleinigen Sattmacher, lassen sich Fleischersatzprodukte gut in eine gesunde Ernährung integrieren!




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